
Psychotherapie
Die moderne Psychotherapie hat einige hilfreiche Verfahren bzw. Methoden entwickelt, doch im Vordergrund steht der Mensch in seiner Not und mit seinen unerfüllten Bedürfnissen. Prüfen Sie bitte, welcher der folgende Vorschläge Sie anspricht:
1. Einfach alles aussprechen
Die meisten Menschen erleben es als befreiend, sich einmal alles von der Seele zu reden. Im Reden ordnen sich die Gedanken, Gefühle werden greifbarer und man kann sich ein Stück weit davon distanzieren.
2. Die Dinge in einem neuen Licht sehen
Oft erscheinen Situationen als bedrückend und aussichtslos. Doch mit Hilfe des Therapeuten können andere Sichtweisen eingenommen werden, wodurch neue Handlungsmöglichkeiten gefunden werden können.
3. Eigene Muster verstehen
Im Laufe unserer Biografie haben wir bestimmte Sicht- und Verhaltensweisen gelernt. Wir wenden sie unbewusst an und sind enttäuscht, dass wir immer das gleiche Ergebnis erzielen. Mit Hilfe des Therapeuten können solche Muster aufgedeckt und aufgelöst werden.
4. Lernen, in Stresssituationen resilienter zu sein
Eine Situation wird als stressig wahrgenommen, wenn man von starken Gefühlen überschwemmt wird und dadurch nicht mehr so handlungsfähig ist. Hier gilt es zu lernen, diesen Gefühlen allmählich auf Augenhöhe zu begegnen und sie so zu bewältigen.
5. Beziehungen befriedigender gestalten
Wir neigen dazu, uns in Gesprächssituationen immer gleich zu verhalten. Hier gilt es neue Muster auszuprobieren und sich den äußeren Gesprächsrahmen bewusst zu machen. Eine besondere Bedeutung kommt den Gesprächsregeln zu. Siehe auch Paartherapie
Soweit die ersten Vorschläge, doch jeder Mensch ist einzigartig und sucht seinen eigenen Weg zur Entwicklung seiner Potenziale. – Falls Sie sich in einer akuten Krise befinden, finden Sie weiter unten bewährte Vorschläge zur Krisenintervention.
Moderne Psychotherapie
In der modernen Psychotherapie unterscheidet man hauptsächlich zwischen der Verhaltenstherapie und der Tiefenpsychologie. Während die Verhaltenstherapie versucht, ein aktuelles störendes Verhalten psychotherapeutisch zu verändern, untersucht die Tiefenpsychologie die Ursachen, die zu diesem Verhalten geführt haben. Dabei handelt es sich oft um erlittene Traumata (Traumafolgestörungen). Allmählich lernt man so sich selbst besser kennen und kann liebevoller mit sich selbst umgehen und dadurch sein Verhalten behutsam verändern.
In der modernen Psychotherapie unterscheidet man hauptsächlich zwischen der Verhaltenstherapie und der Tiefenpsychologie. Während die Verhaltenstherapie versucht, ein aktuelles störendes Verhalten psychotherapeutisch zu verändern, untersucht die Tiefenpsychologie die Ursachen, die zu diesem Verhalten geführt haben. Dabei handelt es sich oft um erlittene Traumata (Traumafolgestörungen). Allmählich lernt man so sich selbst besser kennen und kann liebevoller mit sich selbst umgehen und dadurch sein Verhalten behutsam verändern.
Psychotherapeutisch arbeite ich vorwiegend tiefenpsychologisch orientiert, gebe aber auch Patient*innen gerne Übungen und Arbeitsblätter mit, mit deren Hilfe sie beispielsweise Selbstliebe stärken können. Insgesamt gesehen, ist psychisches Geschehen sehr komplex. Es speist sich aus früheren Erfahrungen, Annahmen über die Wirklichkeit und Emotionen in der Gegenwart. Psychische Störungen sind in der Regel multi-kausal. In einer Psychotherapie ist ein mehrdimensionales Verständnis gefragt. Diese Dimensionen werden auch als die vier Fenster bezeichnet, durch die man schaut, um psychische Dynamiken zu verstehen:
• Das subjektive Erleben
• Der biografische Hintergrund
• Der kulturelle Kontext
• Was sagt die Wissenschaft !
Das erste Fenster: Das subjektive Erleben
Im Vordergrund der Psychotherapie nehme ich das subjektive Erleben eines Patienten bzw. einer Patientin wahr. An der Art und Weise wie jemand seine Welt erlebt, gibt es nichts zu kritisieren; eine Erfahrung ist etwas sehr Persönliches, die vorurteilsfrei anzuschauen ist. Um zu verstehen, was in jemandem vorgeht, braucht es Zuhören und Mitgefühl. Oft hilft Trost, um etwas zu verändern.
Im weiteren Verlauf untersuchen Patient*in und ich gemeinsam, was Probleme und Leiden verursacht. Hilfreich ist dabei zu erforschen, welche Gedanken, welche Gefühle und welche Körperwahrnehmungen jemand bei einem Erlebnis hat oder welche Gedanken, Gefühle und somatischen Wahrnehmungen ständig da sind.
In dieser frühen Phase der Psychotherapie geht es noch nicht darum, Deutungen über Ursachen anzustellen oder neue Verhaltensweisen einzufordern. Vielmehr stärke ich zunächst die gesunden Anteile der Patienten. Hier helfen Übungen, die Ressourcen bewusst machen und ausbauen. Wichtig können auch Übungen zur Selbstregulation und Techniken wie der Gedankenstop sein, um weiteres Grübeln einzugrenzen.
Eine Einordnung der vorliegenden Störung kann entlasten genau wie eine Übersicht über Behandlungsmöglichkeiten und die Perspektiven einer Psychotherapie. Auch sollten Ziele vereinbart werden; die können konkret sein, wie das Ziel einen besseren Umgang mit Autoritäten, z.B. dem Chef, zu erarbeiten. Übergeordnete Ziele sind die Persönlichkeitsentwicklung, das Aufdecken von unbewussten psychischen Konflikten, die durch allmähliche schrittweise emotional integriert werden und eine verbesserte Selbstwahrnehmung, die mit dem Zuwachs von Selbstvertrauen einher geht.
Das 2. Fenster: Der biografische Hintergrund
Vor dem Hintergund der eigenen Biografie werden viele Verhaltensweisen erklärlich. Hilflosigkeit ist beispielsweise oft erlernt, auch selbstschädigendes Verhalten macht plötzlich Sinn, wenn man den Hintergrund versteht. Es ist nicht verwunderlich, dass jemand, der in einer emotional unsicheren Umgebung aufgewachsen ist, sich schwer tut, eine vertrauensvoll Sicht auf sich selbst und seine Mitmenschen zu entwickeln.
In diesem zweiten therapeutischen Schritt geht es darum zu erkennen, welche psychischen Muster durch ein spezifisches Elternhaus entstanden sind und wie diese in die Gegenwart hineinragen. Häufig kann man erkennen, dass ein Verhalten, welches jetzt im Erwachsenenleben dysfunktional ist, in der Kindheit durchaus geholfen hat, eine schwierige Kindheit zu bewältigen.
Der Blick in die Vergangenheit hat behutsam zu erfolgen. Viele Menschen haben früher Schlimmes erlebt. Eine unvermittelte Konfrontation damit, würde alte Wunden unnötig aufreißen. Deshalb darf immer nur so viel angeschaut werden, wie viel zumutbar ist und verarbeitet werden kann. So wird das Erlebte Schritt für Schritt integriert, so wird aus einer vermeintlichen Schwäche allmählich eine Stärke.
Fenster 3 in der Psychotherapie: Der kulturelle Kontext
Unbewusst orientieren wir uns an den Menschen in unserer Umgebung. Man mag an Schwarmintelligenz denken. Wenn nun die Menschen um uns herum hektisch und nervös sind, fällt es schwer, gelassen zu bleiben. Wenn alle das Gefühl haben, immer mehr zu brauchen, fällt es schwer, zufrieden zu sein.
Es ist wichtig zu prüfen, inwieweit auch wir der „German Angst“ zum Opfer gefallen sind, inwieweit wir in der Narzismus-Falle stecken, inwiefern wir in unseren Partnerschaften aktuellen Beziehungsmustern folgen. Wenn ich beobachten kann, welche gesellschaftlichen Stimmungen und Trends unterwegs sind, kann ich prüfen, wie sie mich beeinflussen. Das kann mich entlasten und ich kann entscheiden, wie weit ich mitmache oder an welchen Stelle ich aussteige und sage: Ohne mich!
Fenster 4: Was sagt die Wissenschaft?
Die moderne Psychologie ist etwa hundert Jahre alt. Seit Siegmund Freud, dem Wiener Nervenarzt, werden psychische Prozesse beobachtet und wissenschaftlich beschrieben. Daraus ist ein komplexes System mit vielen Zweigen entstanden. Um einzuordnen, was Patienten berichten, muss man sich hier auskennen. Bauchgefühl alleine reicht nicht. Man muss wissen, was eine bestimmte psychische Störung ausmacht und wie man sie therapiert und was ein No Go ist. In der Fachliteratur sind oftmals ähnlich gelagerte Fälle beschrieben. Das kann die psychotherapeutische Exploration, die Erforschung, abkürzen und Hinweise für die Therapie geben.
Weiterführende Links:
Verhaltenstherapie – Wikipedia
Ein Beispiel

Vor einiger Zeit schickte mir eine Patientin einen Brief, in dem sie ihren Gesundungsprozess beschrieben hatte. Als Frau D. das japanische Kintsugi entdeckt hatte und konnte plötzlich ihr eigenes Leben besser verstehen. Kintsugi heißt „goldenes Zusammensetzen“: eine zerbrochene und scheinbar verlorene Schale wird so kunst- und liebevoll repariert, dass sie an Wert gewinnt.
In Absprache mit ihr darf ich diesen Brief hier in leicht überarbeiteter Form veröffentlichen:
Narben aus Gold
Was war passiert? Frau D. hatte einen Burnout erlebt und fühlte sich wie eine zerbrochene Schale. Nach einem längeren therapeutischen Prozess konnte sie einen Rückblick wagen und sehen, wie „ihre“ Schale Risse erhalten hatte. Unter anderen erkannte sie längere Krankenhausaufenhalte und die Verschickung in eine Kur in der Kindheit als prägend für ihre Persönlichkeit. Sie schrieb:
„Ich habe versucht, die Risse zu ignorieren, zu vertuschen und für andere unsichtbar zu machen, z.B. durch Ehrgeiz und Funktionieren im Job. Dabei habe ich mich selbst nicht sehen wollen und nicht genug auf mich selbst aufgepasst: Ich konnte und wollte mich nicht lieben. Als die Belastbarkeit an ihrem Ende angekommen war, ist meine Schale in viele einzelne Stücke zerbrochen und mit ihr auch ich…“
Ihren eigenen Heilungsprozess vergleicht Frau D. mit den Stufen der Wieder-Ganz-Werdung beim Kintsugi:
Zunächst müssen die Teile der zerbrochenen Schale gereinigt und wieder zusammengefügt werden, d.h. auch körperliche und seelische Wunden brauchen Aufmerksamkeit und Fürsorge und sie brauchen Zeit, um zu heilen.
Ist die Schale erst wieder zusammengefügt, kann weiter poliert und ausgebessert werden. Im Kintsugi nennt man diesen Schritt „auf einer guten Basis neu beginnen“. Für Frau D. hieß das, Frieden mit der Vergangenheit zu machen und sich wieder auf die Gegenwart zu konzentrieren, um sich hier neu zu gestalten. Sie nennt das die Phase der Wiedergeburt.
Als nächtes wird im Kentsugi die Schönheit der Risse enthüllt, in dem sie mit Goldstaub bedeckt werden. Im übertragenen Sinn bedeutet das für Frau D., zu ihren persönlichen Geschichte mit ihren Brüchen zu stehen und sich nach der Wiedergeburt stärker als zuvor zu erleben.
Im Kintsugi werden einige Fehler sogar belassen und poliert, um die Kunst der Unvollkommenheit zu kultivieren. So lernte Frau D., eigene kleine Fehler nicht nur zu akzeptieren, sondern zu schätzen. Das anstrengende Streben nach glatter und eigentlich langweiliger Perfektion hatte sie aufzugeben. Mehr und mehr war es ihr gelungen, das Schlimme zu integrieren und leben zu lernen mit den Narben der Vergangenheit.

